Ein Jahr Verpackungssteuer in Konstanz

„Erstes Fazit zur Verpackungssteuer in Konstanz“ (Städtetag aktuell, 2/2026)

Ein Bericht des Deutschen Städtetags zieht nach rund einem Jahr ein erstes Fazit zur Verpackungssteuer in Konstanz. Der Beitrag zeigt, welche Effekte bislang auf Abfallmengen und Mehrwegsysteme festgestellt wurden.

Die Stadt Konstanz zieht rund ein Jahr nach Einführung ihrer Verpackungssteuer auf Einwegverpackungen eine positive Zwischenbilanz. Auslöser für die Maßnahme war das hohe Müllaufkommen im öffentlichen Raum: Vor Einführung der Steuer fielen jährlich rund 500 Tonnen Abfall an, verbunden mit steigenden Entsorgungskosten. Ziel der Stadt war es, Abfall zu reduzieren, Mehrwegsysteme zu stärken und die Kosten gerechter nach dem Verursacherprinzip zu verteilen.

Um belastbare Aussagen treffen zu können, wurde die Verpackungssteuer von Beginn an wissenschaftlich durch die Universität Konstanz begleitet. Dabei wurden äußere Einflussfaktoren wie Wetterbedingungen oder Großveranstaltungen berücksichtigt, da Einwegverpackungen sehr leicht sind und Gewichtsmessungen allein wenig aussagekräftig wären.

Die ersten Ergebnisse nach neun Monaten zeigen einen messbaren Effekt: Die Müllmenge im öffentlichen Raum ging um etwa 14 Tonnen zurück, was ungefähr fünf Prozent entspricht. In einzelnen Stadtteilen mit weniger Tagesgästen fiel die Reduktion sogar deutlich höher aus. Damit wurde erstmals der langjährige Trend steigender Abfallmengen gestoppt. Die Stadt betont jedoch, dass weitere Beobachtungen nötig sind, um langfristige Effekte und mögliche Gewöhnungseffekte zu bewerten.

Parallel zur Müllreduktion hat sich das Angebot an Mehrwegsystemen spürbar ausgeweitet. Insbesondere Anbieter von Mehrwegbechern und -behältern verzeichneten ein starkes Wachstum, und im Stadtgebiet stehen inzwischen zahlreiche Ausgabestellen zur Verfügung. Einige Betriebe sind nach Angaben der Stadt bereits weitgehend auf Mehrweg umgestiegen. Dies wurde zusätzlich durch Förderprogramme und begleitende Informationsmaßnahmen unterstützt.

Rechtliche Bedenken gegen die Steuer konnte Konstanz ausräumen, indem sie sich an bestehenden Gutachten und am Vorbild der Stadt Tübingen orientierte. Damit sieht die Stadt die Verpackungssteuer als rechtssicheres und auf andere Kommunen übertragbares Instrument. Insgesamt bewertet Konstanz die Steuer als wirksames Mittel zur Abfallvermeidung und zur Förderung nachhaltiger Verpackungslösungen, betont aber die Bedeutung politischer Unterstützung, wissenschaftlicher Begleitung und intensiver Kommunikation.

Quelle: Deutscher Städtetag, Städtetag aktuell 2/2026 – „Erstes Fazit zur Verpackungssteuer in Konstanz“, 02.04.2026